Unternehmenskrisen sind Beziehungskrisen

Wenn der Arbeitsplatz zur Hölle wird
und wie man Psychotherapie nutzt

Unbewusste Glaubensüberzeugungen, die im Zuge von Traumatisierungen gelernt wurden, behalten ihre Wirkung, wenn zugrundeliegende Traumen sich immer noch wie frisch anfühlen.
So können sie in anderen Kontexten, z.B. im normalen Alltagsgeschehen, ihre schädliche Wirkung fortsetzen: vor allem am Arbeitsplatz und in Geschäftsbeziehungen.

Früh erlebte Grenzverletzungen, Verlusterfahrungen, Ängste, Vertrauensbrüche, missbräuchliche Rollen, Ungerechtigkeiten u.a. werden im Arbeitskontext nicht selten im Sinne einer Retraumatisierung neu erlebt. Aber meist wird der Zusammenhang zu einem früher durchgemachten Trauma nicht erkannt. Entsprechend wird das störende Verhalten dann als irrational beschrieben, während es vor dem Hintergrund eines Traumas Sinn macht.

Daher können Versuche zur Konfliktlösung auf der Berufsebene scheitern, wenn die Traumaebene unberücksichtigt bleibt. Das Gleiche gilt für an sich gute Präventivkonzepte zu Erschöpfungssyndromen: Die Veränderung äußerer Belastungsfaktoren greift vielfach zu kurz, wenn innere Belastungsfaktoren unbeachtet bleiben.

Auch strategische Entscheidungen auf der Führungsebene in Unternehmen, Politik und Organisationen werden von unbewussten traumatischen Erinnerungen mitgeprägt. Auch hier kann die Beachtung der Traumaebene und die daraus resultierenden menschlichen Folgen für das Beziehungsgefüge wichtige Fehler vermeiden helfen.

Das betrifft hier nicht nur die Traumen von Einzelpersonen, sondern auch die Traumatisierung eines Kollektivs. Man denke an den Identitäts- und Heimatverlust bei Fusionen/ “feindlichen Übernahmen“, den „Elternverlust“ bei neuen Besitzern (Aktionären) oder neuen Geschäftsführern, den „Gliedmaßenverlust“ bei Ausgliederungen, den Einheitsverlust bei Ausgrenzungen und Kündigungen. Mitunter wirken Traumatisierungen aus weit zurückliegender Geschichte (Beteiligung am Schaden von Menschen, Zwangsarbeit, unrechtmäßiger Besitz aus Kriegszeiten) wie eine noch schwärende Wunde, die den Erfolg behindert, wenn sie ignoriert werden.

Der Einsatz therapeutischer Methoden auf Unternehmensebene ist noch neu, schließt aber wichtige Lücken, die andere Unternehmensberatungsmethoden hinterlassen, wenn sie nicht explizit mit Gefühlen bzw. Verletzungen im weitesten Sinne arbeiten.